Vier Wochen lang hat Haanel den Boden bereitet: stillsitzen, die Gedanken anhalten, körperlich und geistig loslassen. In Lektion 4 ging es um das Ich, das all das lenkt. Lektion 5 richtet den Blick auf das, was sich im Laufe des Lebens in uns angesammelt hat, und ruft zum Aufräumen auf. Wir fassen die Lektion in eigenen Worten zusammen und zeigen dir die Übung der fünften Woche, in der du zum ersten Mal ein inneres Bild aufbaust.
Worum es in Lektion 5 geht
Treiben lassen oder lenken
Haanel schätzt, dass mindestens neun Zehntel unseres geistigen Lebens unbewusst ablaufen. Diese Vorgänge arbeiten ohnehin, ob wir wollen oder nicht. Entscheidend ist, wer dabei steuert: Wir können uns von ihnen tragen lassen, wohin es sie zieht, oder ihnen ein klares Ziel vorgeben. Zauberei ist dabei nicht im Spiel, betont er: Gedanken folgen Naturgesetzen, sie zeigen sich in unserem Verhalten und wirken darüber auf die Menschen und Verhältnisse um uns herum.
Woher unsere Gedanken stammen
Was in uns arbeitet, hat nach Haanel zwei Quellen. Ein Teil ist ererbt und trägt die Prägung vieler Generationen. Den anderen Teil haben wir selbst aufgenommen: Ansichten aus Familie, Beruf und Umfeld, Vorurteile, Bemerkungen anderer, auch eigene Schlüsse. Das meiste davon, meint Haanel, haben wir nie geprüft; es klang einleuchtend, also wurde es ein Teil von uns. Das hat auch eine gute Seite: Unerwünschte Züge, die wir an uns bemerken, müssen wir nicht hinnehmen, sondern können ihnen bewusst den Raum nehmen.
Hier setzt Haanels Verständnis vom Gesetz der Anziehung an. Es erfüllt nach seiner Darstellung keine Wunschliste, sondern bringt uns, was unserem eigenen Denken entspricht – dem bewussten wie dem unbewussten. Viele Menschen, sagt er, gestalten ihr Leben auf diese Weise, ohne es zu merken.
Der geistige Hausputz
Daher kommt das Bild, das der Lektion ihren Namen gibt. Wer ein Haus baut, prüft jeden Plan und wählt das Material mit Bedacht. Beim eigenen geistigen Haus sind wir dagegen erstaunlich nachlässig, obwohl nach Haanel alles, was uns begegnet, von seiner Beschaffenheit abhängt. Das Baumaterial sind die Eindrücke, die wir gesammelt haben. Sind sie von Angst, Zweifel und Mutlosigkeit geprägt, baut man mit morschem Holz und ist ständig mit Ausbessern beschäftigt. Wer dagegen auf Mut und Zuversicht geachtet und Negatives gleich aussortiert hat, baut auf festem Grund.
Haanels Folgerung ist sehr praktisch: Wir sollen geistig aufräumen, und zwar nicht einmal, sondern jeden Tag, so wie man ein Haus in Ordnung hält. Aus dem, was dem Aufräumen standhält, lassen sich dann die inneren Bilder formen, die wir verwirklichen wollen.
Ein Erbe, das genutzt werden will
Zum Schluss malt Haanel ein ermutigendes Bild: ein großes Anwesen mit Feldern, Wäldern und einem prächtigen Haus, das auf seinen Erben wartet. Der Erbe muss es nur beanspruchen und in Gebrauch nehmen; wer es verkommen lässt, verliert es wieder. Im Geistigen, sagt Haanel, bist du dieser Erbe. Er nennt drei Schritte: das Erbe von Herzen wollen, den Anspruch darauf erheben und es dann wirklich antreten.
Neben der Vererbung, die Naturforscher wie Darwin und Huxley untersucht haben, sieht Haanel eine zweite, tiefere: das Leben selbst, das aus dem universellen Geist in jedes Wesen strömt. Unsere Fähigkeiten sind für ihn die Eingänge, durch die es in uns wirkt, und es kommt darauf an, sie frei zu halten. Das gelingt nach Haanel nur durch Gebrauch: Wer einsetzt und weitergibt, was er hat, bekommt neu dazu; wer festhält, dem fließt nichts mehr zu – im Beruf genauso wie im Geistigen.
Die Kernaussage
Unser Inneres ist ein Haus, das wir selbst einrichten. Wer es täglich aufräumt und nur behält, was trägt, schafft Raum für die Bilder, die er verwirklichen will.
Die Übung der Woche: ein inneres Bild aufbauen
Mit dieser Woche beginnt eine neue Art von Übung. Bisher ging es darum, still zu werden und loszulassen; jetzt sollst du zum ersten Mal etwas im Geist aufbauen.
- Geh an deinen gewohnten Übungsplatz und setz dich in derselben Haltung hin wie bisher.
- Wähle in Gedanken einen Ort, mit dem du angenehme Erinnerungen verbindest.
- Mal dir diesen Ort in allen Einzelheiten aus: die Häuser und Wege, die Bäume, die Menschen, die dazugehören, und alles, was du sonst mit ihm verbindest.
- Rechne damit, dass deine Gedanken anfangs ständig abschweifen. Das ist kein Grund aufzugeben: Kehre einfach zu deinem Bild zurück.
- Übe jeden Tag und lass keinen Tag aus. Haanel setzt ganz auf Beharrlichkeit.
Ein vertrauter Ort hat einen Vorteil: Du musst nichts erfinden, sondern kannst dich ganz darauf konzentrieren, das Bild deutlich zu sehen und festzuhalten. So verbindet die Übung die Ruhe der ersten Wochen mit einer neuen Fähigkeit, der Vorstellungskraft. In Lektion 6 geht es dann um die Aufmerksamkeit, geübt an einem Foto.
Unser Tipp: Fang mit einem einzelnen Detail an, etwa der Haustür oder einem bestimmten Baum, und erweitere das Bild von dort aus Schritt für Schritt.
Videos zur Lektion
Häufige Fragen zu Lektion 5
Was ist mit dem geistigen Hausputz gemeint?
Die Gewohnheit, die eigenen Gedanken regelmäßig zu sichten. Was aus Angst, Zweifel oder ungeprüften Meinungen stammt, sortierst du aus; was dich trägt, behältst du. Haanel versteht das nicht als einmalige Aktion, sondern als tägliche Pflege.
Was, wenn ich keine inneren Bilder sehe?
Manchen Menschen fällt das schwerer als anderen, und manche sehen vor dem inneren Auge kaum etwas. Halte dich dann an das, was du über den Ort weißt: wie er aufgebaut ist, wer dort ist, was man dort hört. Haanel rechnet ohnehin damit, dass es anfangs mühsam ist, und setzt auf tägliche Übung.
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